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Trinkwasserqualität in Europa: Ein Überblick
Europa gilt weltweit als Vorreiter in Sachen Trinkwasserqualität. In allen EU-Mitgliedsstaaten ist Leitungswasser nach geltendem Recht trinkbar und muss den Anforderungen der Europäischen Trinkwasserrichtlinie entsprechen. Für die meisten Menschen ist der Griff zum Wasserhahn daher selbstverständlich – und in der Regel auch unbedenklich.
Der EPI-Score: So schneidet Europa im Vergleich ab
Der Environmental Performance Index (EPI) bewertet die Umwelt- und Wasserqualität von Ländern weltweit auf einer Skala von 0 bis 100. Je höher der Wert, desto sicherer und sauberer das Trinkwasser. In Europa belegen folgende Länder die Spitzenplätze:
- Italien – 100,0
- Deutschland – 98,1
- Schweiz – 97,9
- Norwegen – 97,8
- Schweden – 97,7
- Vereinigtes Königreich – 97,0
- Griechenland – 96,4
- Finnland – 96,3
Diese Werte sind beeindruckend. Wichtig zu verstehen ist jedoch: Ein hoher EPI-Score bewertet vor allem die Abwesenheit von Krankheitserregern und bekannten Schadstoffen. Substanzen, die noch nicht offiziell reguliert sind, fließen nicht in die Bewertung ein.
Was wird im Trinkwasser tatsächlich kontrolliert?
Wasserwerke führen europaweit regelmäßige durch. Dabei werden physikalische, chemische und mikrobiologische Parameter geprüft, darunter Färbung, Trübung, Geruch und Geschmack, Leitfähigkeit und pH-Wert, Schwermetalle wie Blei, Eisen und Aluminium sowie potenzielle Krankheitserreger wie Escherichia coli und Enterokokken.
Diese Kontrollen sind essenziell – decken aber längst nicht alle Substanzen ab, die heute im Wasser nachgewiesen werden können.
Die EU verschärft die Regeln – aber es dauert
Die Europäische Union hat reagiert. Seit 2020 wird die Trinkwasserrichtlinie grundlegend überarbeitet. Die wichtigsten Änderungen:
Der Grenzwert für Blei wird von 10 auf 5 Mikrogramm pro Liter halbiert. Erstmals sollen auch PFAS – sogenannte „Ewigkeitschemikalien" – strenger reguliert werden.
Das unterschätzte Risiko: Der Weg vom Wasserwerk zum Wasserhahn
Das Wasserwerk liefert in der Regel einwandfreies Wasser. Die eigentliche Schwachstelle liegt oft im Hausanschluss und in der Hausinstallation selbst. Alte Bleileitungen, veraltete Armaturen oder mangelhafte Dichtungen können Schadstoffe ins Wasser abgeben – vollkommen unbemerkt und außerhalb jeder offiziellen Kontrollpflicht.
Das Umweltbundesamt empfiehlt: Wasser, das vier Stunden oder länger in der Leitung stand, vor dem Trinken oder Kochen kurz laufen lassen – bis es deutlich kühler wird. Das ablaufende Wasser lässt sich z. B. zum Blumengießen nutzen. Zum Kochen am besten Kaltwasser verwenden, weil Warmwasser oft länger in der Installation steht. Hinzu kommen Spurenstoffe aus Landwirtschaft und Industrie, die in das Grundwasser gelangen und nicht immer vollständig herausgefiltert werden. Für viele dieser Stoffe existieren bislang noch keine gesetzlichen Grenzwerte.
Fazit: Vertrauen ist gut – Testen ist besser
Europäisches Leitungswasser ist sicher. Aber Sicherheit bedeutet nicht, dass alles bekannt oder gemessen wird. Alte Leitungen und sich ändernde Grenzwerte zeigen: Wer wirklich wissen will, was er trinkt, sollte sein Wasser testen lassen.

